Wo der Funke sitzt
Stadion, Halle, autonomes Zentrum, >mein Zimmer< - das waren in meiner Jugend die vier Eckpunkte
meiner Musiksozialisation. Mein Zimmer wurde mit 1,2 Meter hohen Boxen und einem 30 Kilo
schweren Braun-Plattenspieler irgendwann zu einem regelrechten Sound-Tempel. Hier begegnete ich in
den spaeten 80ern Gustav Mahler, den Rueckwaertssingern Magma und Grunge. 20 Jahre spaeter ist
von diesem Koordinatensystem nur das private Musikzimmer geblieben. Wenn ich, wie vergangenes
Wochenende, Musik draussen erleben moechte, gehe ich heute am liebsten ins Theater: FSK in der
Volksbuehne am Freitag; Dez Mona im Hebbel Theater am Samstag. Oder in die Galerie.
Letzten Sonntag etwa war One Trick Pony in der Galerie Feinkost zu Gast. Eine wenig bekannte Band
aus Los Angeles oder >the most critically denounced band in obscurity< wie die selbstironische
Selbstdarstellung auf MySpace lautet. Die Sonntagssonne scheint noch, als ich Randolph und Jenn[y]
treffe. Er: die Stimme, die Gitarre und die schoepferische Quelle der Band. Sie: die einstige
Bandmanagerin turned Schlagzeugerin. Er: gross, dunkelhaeutig, mit Bart. Sie: zierlich, blass, mit
glatten langen Haaren und Mittelscheitel. Wir sprechen ueber Cleveland, Kuehe und ein angemessenes
Aequivalent fuer den Titel meines Buchs im Englischen.
Als es losgeht, sitzt Jenn[y] hinter einer Kiste, die sie mit einem Pedal und zwei Besen bearbeitet, als
waere es eine Naehmaschine, die man zum Tanzen bringen kann. Ausdrucks- los stoesst sie mit einer
Engelsstimme Laute aus, Randolphs gefuehlvollen, von seiner eigenen Gitarre begleiteten Gesang
ausschmueckend. Das Publikum liebt es. Die Praesenz der beiden, ihre Musik. Musik, die sich mit
>Neo-Folk< beschreiben liesse oder mit der Vorstellung, dass nicht Lou Reed, sondern Chris Martin
Frontmann bei Velvet Underground gewesen ist. Das wirklich Aufregende aber ist der Ort, der
Moment, der improvisierte Charakter der Inszenierung.
Krystian Woznicki | 01.04.08 | 0 Echo | Rubrik Musik
ENGLISH TRANSLATION
Last sunday the FEINKOST Gallery hosted One Trick Pony, a little known band from L.A. Or "the most critically denounced band in obscurity" as they introduce themselves ironically on MySpace. Sunday’s sun still shining when I meet Randolph and Jenn[y]. He: the voice, the guitar and the creative dwelling of the band. She: former band manager turned drummer. He: tall, dark skinned with a mustache. She: delicate, pallid, with long, waveless hair. We talk about Cleveland, cows and a proper equivalent for the title of my book in english.
As they begin, Jenn[y] sits behind a box, working it with a pedal and two small drumming brushes, as if it was a sowing-machine she was trying to make dance. Without an expression in her face and with an angel’s voice she supports Randolph’s emotional voice, that is accompanied by his guitar. The audience loves it. Their very presence and the music. The music could be described as Neo-Folk or it could be compared to the imagination not Lou Reed but Chris Martin would’ve been the frontman of Velvet Underground. But the most exciting part of the event is the place, the moment and the improvised character of the show.
Show date: Sun.Mar.30.2008 @ Feinkost Gallery
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